Lüttich-Bastogne-Lüttich

Belgien rockt! Auch mit schlechten Beinen! Erst recht bei guten Wetter! Der Tag bei LBL gemeinsam mit Pit war großartig. Alles hat gepasst. Und das Beste ist, dass wir beide zufrieden durchs Ziel gerollt sind 😉

Aber von Beginn an: Die geplante letzte Testfahrt in der vergangenen Woche fiel dem Job zum Opfer. Somit musste ich mit flauem Gefühl im Magen Samstag morgen die Anreise mit Pit durchführen. Kurz vor 6 Uhr war auch Pit´s SuSi verladen und es ging auf die Autobahn in Richtung Banneux, wo in diesem Jahr Start & Ziel für die Hobbyradler war. Genauer betrachtet war der Startort super gewählt. Die nervige Fahrerei durch Lüttich blieb uns somit erspart.

Vor Ort war dann alles schnell erledigt. Räder zusammenbauen, Klamottenwahl und zum Startareal rollen waren genauso schnell erledigt, wie die Anmeldung per E-Ticket Scan mit Ausgabe und Anbringen der Rahmennummer. So ging es um kurz vor 8 Uhr durch den Startbogen. Der Edge war gestartet und los ging es mit einer langen Abfahrt durch Remouchamps nach Aywalle. Wir rollten entspannt und ohne Druck, während andere Teilnehmer loszogen, als gäbe es all die bevorstehenden Anstiege nicht. Den ein oder anderen sollten wir im weiteren Verlauf immer wieder mal sehen 😉 Die Leistungsunterschiede sind bei knapp 6000 Teilnehmern aber auch sehr groß. So galt für Pit und mich das Motto: „Nicht verrückt machen lassen“ Und dieses Motto setzten wir perfekt um.

In Aywalle ging der Spaß dann los. Der Cote de Havelange machte den Auftakt. Eher gemäßigt, aber trotzdem auch mal mit kurzen zweistelligen Prozentzahlen. Das ist sowieso das Markenzeichen der Region. Kurze zweistellige Prozentwerte haben hier fast alle Anstiege. Mal nur 12, mal schon 14, 16%, während die echten Biester dann halt Spitzenwerte von 19 bis 21% haben. Der Havelange ist aber nur ein vorgelagerter Berg, dem nach kurzer Abfahrt der Cote de Werbomont folgt. Die ersten beiden Anstiege waren abgespult. Die Stimmung hätte nicht besser sein können. Wir waren mitten in die Natur abgetaucht. Kaum Kfz Verkehr, nur Radsportler. Ein echter Genuss.

5 Km Abfahrt später folgte der Anstieg zum L`Ancienne Barriere bis auf fast 500m Höhe. Knapp 5 Km Anstieg zunächst durch Wiesen und Felder mit schönen Ausblicken geht es später in einen waldreicheren Abschnitt. Gepaart mit humanen Steigungswerten rollten wir über die Passhöhe um direkt die erste Verpflegung zu erreichen. Hier gab es einen kurzen Smalltalk mit Düsseldorfer Radlern und weiter ging es für uns beide in die 7 Km lange Abfahrt nach Basse Bodeux.

Hinter dem Ort ging es rechts ab in den Côte de Saint-Jacques, weitere 4,8 km bergauf. Wieder durch wunderbare Landschaft kurbelten wir die Steigung hinauf zur Passhöhe. Nach Überquerung und anschließender Abfahrt nach Grand Halleux hatten wir knapp 50 Km auf dem Edge und jetzt sollte der Spaß erst richtig beginnen 😉 Bis hier war alles nur Vorgeplänkel und diente als Appetizer für den restlichen Tag.

Der Cote de Wanne mit max 11% brachte uns ins Herz der Knüppelanstiege, nach Stavelot. Schon die Abfahrt dort hinunter mit 13 bis 15% zeigte uns auf, was als nächtes folgen sollte. Das Örtchen Stavelot ist regelrecht umzingelt von ikonischen Anstiegen. Wir bogen zunächst in den Cote de Stockeu. Ein erster echter Knüppel mit 20% Steigung. Der Einstieg mit 13% ist human, das Ende brutal. Hier standen bereits kleine Grüppchen von Zuchauern, die jeden mit „Allez Allez“ anfeuerten, während die Kinder ihre Hände zum Abklatschen hin hielten. Die Eddy Merckx Steele in Sicht zog ich an Pit vorbei und nahm ihn später oben in Empfang. Ich war sehr überrascht, was meine Beine trotz der Schmerzen hergaben. Das sorgte für ordentlich Motivation, aber auch für die Gewissheit, alles kontrolliert weiter abzuspulen. Die Abfahrt brachte uns wieder zurück nach Stavelot und direkt zur 2ten Verpflegung.

Nach der Verpflegung verließen wir den Ort gen Norden über den Cote de la Haute-Levee. Direkt mit bis zu 12% hat man den schwersten Teil nach knapp 1 Km hinter sich und die Straße flacht spürbar ab. Die letzten ca 2,6 Km sind deutlich angenehmer zu fahren. Soweit man nach 68 Km und einigen Hm noch von angenehm reden kann. Auf dem Weg zur Passhöhe konnte man immer wieder mal die rasenden Motorräder auf der F1 Strecke von Spa Franchorchamps hören. Irgendwie skurril, wenn man rechts und links nur Wald sieht 😉

Nach der Abfahrt auf gut ausgebauter Straße ging es links weg in Richtung Cote de Rosier. Zunächst weiter bergab auf schmalerer, nicht so gut asphaltierter Straße. Aber wir hielten uns schadlos und bogen in Ruy in den 4,5 km langen Anstieg. Ich persönlich mag den Rosier. Durch Feld, Wald und Wiese bietet er ein wenig Abwechslung und ist mit 12% nicht allzu steil. Wir kamen beide jedenfalls recht locker oben an, stärkten uns mit einem Gel und genossen die 10 Km lange Abfahrt hinunter nach Spa.

Nach gefahrenen 90 Km bogen wir in den Cote de Desnie ab. Dieser war mir gänzlich unbekannt (zumindest habe ich keine Erinnerung) und so verließen wir das Tal zunächst auf gemäßigt steigender Straße, welche zum Ende hin auch nochmal in die Zweistelligkeit verfiel. Die Beine muckten noch immer nicht, sodaß ich zu diesem Zeitpunkt bereits sicher war, auch den Redoute gut überstehen zu können. Die folgenden Km gingen recht wellig daher, ehe Pit mich in der Abfahrt nach Remouchamps abhängte. Ist aber auch sein Spezialgebiet 😉 Im fein geschmückten Ort gab es die letzte Verpflegung, wo wir beide die Speicher nochmals füllten und anschließend Richtung Cote de la Redoute rollten.

Die Anfahrt war kurz, der von Fans und WoMos gesäumte Anstieg begann. Ich fand einen guten Rhythmus und versuchte in den geschichtsträchtigen Berg abzutauchen 😉 Es gelang mir wirklich gut. Die WoMo Besitzer pushten mich, ich konnte den Rhythmus beibehalten. Beim ersten Steilstück bettelten die Beine darum, endlich aufzuhören, doch peitschte ich mich weiter. Beim zweiten Steilstück mit 21% Steigung schaffte ich es sogar, andere Fahrer zu überholen und ohne Schlangenlinie die Rampe zu überleben. Dann war der schlimmste Teil geschafft und die letzten 500m kurbelte ich happy bis zur Bergwertung, wo ich wieder kurz auf Pit wartete, um gemeinsam in Richtung vorletzten Anstieg weiterzufahren. Auf dem welligen Stück durch Sprimont nimmt man ganz nebenbei noch den Cote de Sprimont mit, der aber an diesem Tag keinerlei Bedeutung haben sollte.

Nach der Abfahrt ins Tal der Ourthe war Mery schnell erreicht, der Fluß überquert, was bedeutete, die Anfahrt zum Cote de la Roche aux Faucons hatte begonnen. Die flachen knapp 1,7 Km wurden routiniert abgespult und dann hieß es für uns beide: nochmal ordentlich leiden. Im Schnitt über 10% mit Spitzen von 16% im oberen Teil bietet das Biest kaum Erholung. Wenn man dann endlich die Bergwertung erreicht hat, ist es aber noch nicht vorbei. Nach einer kurzen Abfahrt geht es nochmals über 2 Km weiter bergan. 8 bis 10% tun hier richtig weh 😉 Aber irgendwann war ich oben und wartete wieder auf Pit. Er war nach dem Redoute deutlich angezählt und konnte sich nicht mehr wirklich erholen. Als er eintraf, gab es nochmals ein Gel und ich deutete ihm an, das wir die schweren Anstiege hinter uns haben würden.

Wir befanden uns jetzt im Einzugsgebiet von Lüttich, was wir am Verkehrsaufkommen deutlich zu spüren bekamen. Auch die Abfahrt hinunter nach Tilff, wo ich Anfang der 90er die belgischen Klassiker lieben lernte, wurde mit der entsprechenden Vorsicht angegangen. Im Örtchen war es richtig voll. Viele Terrassen der Cafes waren gut besucht, wir aber wollten weiter. 131 Km in den Beinen, noch ein Anstieg vor uns, bogen wir in den Cote de Cortil. Nochmals 3,8 Km bei zum Glück angenehmen Steigungsprozenten rollten wir bergan. Bei mir lief es noch immer erstaunlich gut. Als ich in Beaufays die 10 Km Marke sah, wusste ich, ich habe es geschafft. Im Glauben Pit hinter mir zu haben, spulte ich Km um Km ab. Auch die finalen Drei bergan nach Banneux liefen wie am Schnürchen. Kurz vor dem Ziel stellte ich fest, Pit ist weg! Ich rollte die letzten 200m weiter, durchquerte den Zielbogen, war happy und wartete auf Pit. Dieser trudelte freudestrahlend 5min später ein. Sein Verlangen nach einer kalten Cola zwang ihn 3 Km vor dem Ziel zu einem kurzen „Pit“Stop 😉

Somit war ein wirklich schöner, erlebnisreicher Tag in den belgischen Ardennen Geschichte. Der Tag wirkte bei mir noch am Sonntag dermaßen nach, dass ich mich direkt für den Fleche de Wallonie am 28. Mai in Spa angemeldelt habe. 17 Euro für 134 km mit 2500 Hm sind sicherlich gut investiert 😉

Der Tag hat mir auch gezeigt, dass es für mich nicht immer das Maximum an Distanz sein muss. Getreu dem Motto „Weniger ist manchmal mehr“ werde ich mir auch zukünftig diverse Events aussuchen und unter die Pneus nehmen. Hobbyradsport mit einem leichten Qual & Genussfaktor 🙂 >LBLChallenge<