Mein erstes Amstel

Auch zwei Tage später bin ich immer noch total begeistert. Im Grunde läuft es genau wie bei Limburgs Mooiste. Unmengen von Radsportlern mit dem damit verbundenen Gewusel an, auf und Abseits der Strecken. Aber wie immer bei unseren Nachbarn auch mit sehr viel Gelassenheit 😎

Schon die Anfahrt durch Valkenburg zum Parkplatz in Sibbe machte mir deutlich: ich bin nicht alleine auf der Piste. Aus allen Ecken strömten die Radler in Richtung Amstel Gold Xperience, der Anmelde und Startzone. Mein Parkplatz war problemlos auffindbar, das Umziehen reine Routine und schon rollte ich hinunter nach Valkenburg. Startnummer, Lenkernummer und Armband hatte ich 5 Minuten später abgeholt und angebracht und rollte um kurz vor 9 mit einer Riesenhorde los. Im Ort waren bereits etliche Motorradpolizisten im Einsatz, um das Gedängel routiniert zu kontrollieren und die wenigen Autofahrer sicher zu begleiten. Nach 4 Km stand der erste Berg an. Aber erst nach Passage eines Nadelöhr, wo der erste große Stau zur Entspanntheit aufforderte. Ich genoß die Atmosphäre und dann rollte es auch für mich endlich weiter. Den Geulhemmerberg fuhr ich im großen Pulk und recht locker hinauf. Das sollte sowieso das Ziel der ersten Km sein. Locker bleiben und mitschwimmen. Das gelang mir prima, wobei grundsätzlich auch nix anderes möglich war. Es war recht voll auf der Strecke. In Rothem wurden wir auf den Kasseien im Ort ordentlich durchgeschüttelt. Gepaart mit 9 % Steigung und Unmengen Zuschauern an der Strecke hatte das aber echtes Rennfeeling. Großartig!!

Danach ging es relativ flach im Dunstkreis der Maas bis Km 21. Danach wechselte das Streckenprofil ins für diese Region typische Auf und Ab. Für mich ging es entspannt im Pulk Km um Km weiter. Das Tempo passte, der Puls sowieso und warum sollte ich irgendwelche Risiken eingehen. Ich rollte einfach mit. Wir umrundeten den Airport Maastricht und nach knapp 40 Km kam die erste Kontrolle. Es war so voll, dass ich mich entschloß durchzufahren. Und das war auch gut so. Ich nahm meine eigene Verpflegung zu mir und rollte die nächsten Km alleine dahin. Dabei konnte ich endlich mal entspannt nach rechts und links schauen und die Natur aufsaugen. Jetzt merkte ich allerdings, dass auf den Höhenzügen der Wind doch etwas spürbar war. Nicht schlimm, aber spürbar. Ich fand ein gutes Tempo und cruiste durch die Gegend. Die Strecke mit ihren vielen Wirtschaftswegen und kleinen Nebenstraßen war wirklich toll. Mal links, mal rechts, mal hoch, mal runter, für Abwechslung war gesorgt und die Aufmerksamkeit die gesamten 5 Stunden gefordert.

Die Zeit verging wie im Flug, als nach 90 Km die zweite Verpflegung erreicht wurde. Und hier, wie auch bei Limburgs Mooiste, das einzige Manko der holländischen Veranstaltungen: Es gab einen langen Stau, der leider nicht umfahren werden konnte. Alle mussten über den Hof, vorbei an Verpflegung, Getränke, Reparaturdienst und Pissoirs. Es war so eng, das mir der Appetit recht schnell vergangen war. Meine Gels hatte ich bereits im Stau zu mir genommen, jetzt gab es noch einen ordentlichen Schluck aus der Pulle und weiter gings. Die letzten 35 Km standen an, und auch die für dieses Rennen üblichen schwereren Anstiege kurz nacheinander. Fromberg, Koulenbergseweg, Sibbegrubbe und final der Cauberg sorgten noch einmal für brennende Beine, aber auch ordentlich Anfeuerung von außen. Es machte richtig Spaß und irgendwie konnte man die Begeisterung der Menschen auf das Profirennen am Ostersonntag schon deutlich spüren. Und nicht nur wegen der Camper rechts und links der Strecke 😉

Die letzten Km suchte ich meinen Rhythmus und fuhr diesen kompromisslos bis zum Ende durch. Den Fromberg kannte ich von dieser Seite auch noch nicht, aber das Szenario oben mit seinem tollen Panorama entschädigte auch in diesem Jahr für die Qualen. Die 14% am Koulenbergseweg steckte ich ebenso gut weg, wie die Sibbegrubbe. Hier musste ich morgens bereits mit dem Auto hoch, dementsprechend konnte ich mir den Berg gut einteilen, ohne zu überpacen. Jetzt fehlten nur noch wenige Km 🙂 Die Abfahrt nach Valkenburg kannte ich auch vom Morgen, ließ es aber aufgrund der Radlermassen ruhig und vorsichtig angehen. Im Zentrum von Valkenburg der von den Profis bekannte Linksknick in den Cauberg. Und genau wie einen Tag später, war es hier schwarz vor Menschen. Anfeuerungen in vielen Sprachen setzten noch einmal etwas Energie frei für die finalen 2 Km bergauf zum Ziel. Das 12% steile Mittelstück fuhr ich locker im Pulk, um dann im flacher werdenden Finale noch mal Gas zu geben. Das 500m Schild flog an mir vorbei und ich jagte der Ziellinie entgegen, Geil war es, leider aber auch irgendwie zu schnell vorbei. Das waren jedenfalls meine ersten Gedanken nach dem Erhalt der Medaille. Aber eines steht auf jeden Fall fest, wenn es terminlich passen sollte, stehe ich hier oder bei Limburgs Mooiste im nächsten Jahr wieder am Start. Mir gefällt einfach die Gegend, trotz der ca 20000 anderen Radler 😉 Amstel Gold Race

Vielen Dank an @sportograph für die großartigen Bilder. Danke.