Memories #4

Nach der ersten Marathon Erfahrung in Rockenhausen aus dem Jahr 1990 war es sehr schnell um mich geschehen. Ich war von diesen langen Veranstaltungen infiziert. So kam es, wie es kommen musste. Ich wurde zu einem echten

Serienjunkie

Bereits im Jahr 91 nahm ich an den ersten Veranstaltungen der Deutschland weiten „Supercup Serie“ teil. Diese Serie gibt es übrigens heute immer noch 🙂 Starts in Bimbach beim Rhön Supercup, beim Schwäbische Alb Supercup in Ebersbach, sowie beim Südpfalz Radmarathon in Hochstadt bildeten den Anfang. Distanzen zwischen 209 und 245 Km mit bis zu 3600 Hm waren für mich als Neuling schon ganz ordentliche Brocken.

Der große Vorteil an der Serienteilnahme war zudem, ich lernte Deutschland und seine vielfältige Landschaft aus einem völlig anderen Blickwinkel kennen. Beim Betrachten der Urkunden sind viele Erinnerungen wieder präsenter geworden. Landschaftliche Highlights, große Qualen oder toller Spirit unter den Teilnehmern, das alles möchte ich nicht mehr missen. Bier beim Arber am letzten VP nach 210 Km oder Schnaps am VP beim SURM, Babybell Käse und Lipton Ice Tea in Lüttich sind nur ein paar kleine Anekdoten.

1992 kam zum Supercup noch der regionale NRW Minicup ins Spiel. 8 Marathons waren schon recht ordentlich. Aber meine Entwicklung lief in die richtige Richtung und der Spaß machte die langen Dinger immer etwas erträglicher. In dieser Saison spulte ich unter Anderem auch den Oldenburger Radmarathon über 312 Km ab. Es sollte der längste Ausritt meiner Karriere werden. Beim Werra Meißner Extrem, sowie bei Quer durchs Erzgebirge sollte ich erstmalig auch durch Ostdeutschland radeln. Im Erzgebirge waren die 242 Km zusätzlich mit 4200 Hm gespickt. Auch das sollte zu diesem Zeitpunkt persönlicher Rekord werden. Zu dieser Veranstaltung gibt es noch die Geschichte, das ich aufgrund eines Streckenpostenfehler tatsächlich mit vier Mitstreitern auf dem Fichtelberg die Veranstaltung anführte 😉 Crazy, ganz im Gegensatz zu den Blicken der „Echt Führenden“ Diese kamen den Berg hinaufgestiefelt, während wir 5 oben genüßlich unsere Warmverpflegung zu uns nahmen. So etwas bleibt in Erinnerung, genauso wie das Hitzegewitter mit ordentlichem Wind und Regen auf den letzten 35 Km und die Angst vom Blitz erschlagen zu werden.

In den folgenden Jahren wurde es dann noch Internationaler. Ich nahm zusätzlich noch am Radmarathon Europacup teil. Dieser führte mich nach Holland, Belgien, in die Schweiz, sowie nach Österreich und Italien. Somit erweiterte sich das Spektrum recht ordentlich. Fleche de Wallonie, Schneeberg Wechsel, Tilff-Bastogne-Tilff, der Maratona oder das Alpenbrevet konnten unterschiedlicher nicht sein. Aber alle Veranstaltungen hatten ihren Reiz und viele der Regionen gehören noch immer zu meinen absoluten Favoriten. In diesen Jahren reifte auch der Entschluß, die heimliche Königin der Marathons, den Ötztaler Radmarathon, zu fahren. Zweimal nahm ich an der 230 Km langen und 5300 Hm schweren Veranstaltung teil. Dabei konnte ich die zu dieser Zeit als Schallmauer bezeichnete 10 Stunden Marke im Jahr 2000 unterbieten.

Doch trotz der vielen Höhenmeter war es für mich nicht der schwerste Marathon. Durch die vier langen Anstiege war er für mich leichter zu fahren, als die 251 Km und 3100 Hm bei Limburgs Mooiste im Jahr 1997. Aufgeteilt auf 36 numerierte, ruppige, giftige Anstiege und unzählige Wellen dazwischen, wird dieser Tag Anfang Mai auch in Zukunft schwer zu toppen sein. Es war der schmerzhafteste Tag 😉

Belgien, Holland und Italien entwickelten sich in all den Jahren zu meinen absoluten Hotspots. Regen, Wind, Schnee, Hitze, alles war dabei und machte dennoch jede Tour zu etwas Besonderem. Auch wenn die Hochzeit meiner Fahrerei nun schon über 20 Jahre her ist, die 90er mit seinen wunderbaren Serien haben mich damals total in ihren Bann gezogen.

Wenn ich das mit der heutigen Zeit vergleiche, war es für mich die goldene Zeit. Kein Anmeldestress, keine horrenden Startpeise, damals konnte man TBT oder den Fleche für 15 DM fahren. Der Maratona war mit 45 DM schon teuer, aber dafür gab es auch schon damals ein Trikot. Das ganze Voranmelden und auf die Verlosung hoffen, gab es zum Glück noch nicht.